Manchmal stelle ich meinen Job schon infrage.
In der Metro zum Beispiel. 30 Kilo Zucker aus dem Regal auf den Wagen. Vom Wagen auf das Kassenband. Vom Band zurück auf den Wagen.
Vom Wagen ins Auto. Wägen habe ich in der Regel zwei, zu den 30 Kilo Zucker gesellen sich 40 Kilo Mehl, 30 Liter Öl, Marmeladen, Mandeln, Markensalz. Butter, Birnen, Blütenhonig. Schmand, Sahne, Schokolade, ganz viel Schokolade, für Kuchen, genau wie die Kirschen und die Pfirsiche. Wir brauchen Servietten, kleine, große, einlagig, zweilagig, dreilagig…
Heute war ich wirklich abgenervt bis zum Anschlag. Aber ich kann stoisch sein. Ich lade ganz ruhig und ohne innere Widerstände mein Auto voll, wirklich voll, und es ist groß, mein Auto.
Ich denke darüber nach, ob ich nicht vielleicht einen gemütlichen Ponyhof machen sollte, irgendwo in Österreich, wo sich die Füchse gute Nacht sagen und alles ein bisschen kleiner, ein bisschen weniger anstrengend wäre.
Mein Autoradio bleibt aus, ich muss nachdenken. Plötzlich tut es einen Schlag. Vielleicht haben Sie sich vorhin vorgestellt, wie schwer 3×10 Kilo Zucker sind oder ein 15 kg Eimer Salz.
Schließen Sie die Augen und stellen Sie sich vor, wie es ist, wenn sich 7,5 Liter frische Sahne in ihrem, also leider in meinem, Auto verteilen.
Ein Eimer fällt auf einen zweiten, leert sich kopfüber in Sekundenschnelle aus und zerstört dabei den Deckel des anderen Eimer, der natürlich auch umfällt. Ich helfe Ihnen ein bisschen beim Ausmalen.
Der stoffbezogene Autoboden des wie erwähnt ausserordentlich großen Autos ist mit Sahne bedeckt, unter allen Sitzen, auf jeder Gleitschiene, an jeder Schraube, auf jedem verflixten, am Boden liegenden Einkaufszettel, Sahne. Das Mehl, der Zucker, die Servietten schwimmen in einem Sahnesee.
Und wenn ich See schreibe, meine ich nicht Pfütze. 7 Liter sind erbarmungslos viel.
Es gibt morgen kein Espressoparfait. Ich hatte zu wenig Sahne. Ich hatte auch nicht mehr genug Zeit, ich glaube, ich habe 2 Stunden Auto geputzt und wenn Sie sich das vorstellen möchten – lassen Sie es einfach, es war furchtbar.
Ich gehe selbst einkaufen, aber Ihrem großen Glück koche ich eher selten. Das machen andere. Deshalb können Sie trotz meines missratenem heutigen Tages morgen Rinderrouladen verspeisen.
Liebevoll gefüllt mit Speck, Zwiebeln und Gurke, lange geschmort mit Sellerie, Karotte und Rotwein, köstlich, ganz wie einst. Sonntagmittag mit Biedermeiersofa, Spitzendeckchen, das gute Geschirr und nach dem Kirchgang Rouladen. Fernab von jeder Spießigkeit könnten Sie auch ein asiatisches Fischcurry genießen, jedes Gewürz in der Pfanne geröstet, sorgfältig und sorgsam rund abgestimmt und dadurch einfach besonders.
Die Limetten sind bestellt, damit Sie am Donnerstag eine Caipirinha trinken können, falls Sie zu Mateo Martínez Zuviria kommen, der Sie mit seiner Gitarre und seinem Gesang nach Lateinamerika entführt.
Sonntag gibt es Haselnuss-Mokkatorte, die habe ich diese Woche ausprobiert- kann man essen :-).
Und wer weiß, vielleicht mache ich dann morgen, wenn die Laune wieder normal ist, mein Espressoparfait.
Es kann alles nur besser werden.
So long
die Sabine vom Mutz
