Newsletter 14.01.2026

Geplant oder nicht geplant, bewusst oder unbewusst, irgendwie hat man für das neue Jahr immer ordentlich Drive.
Nicht unbedingt gleich am 1.Januar, wenn einen der Silvesterkater quält, aber irgendwann kommt‘s. Vorsätze, Hoffnungen, Wünsche.
„Dieses Jahr backe ich noch abwechslungsreicher, kreativer, dieses Jahr gönne ich mir einen Tag die Woche einen richtigen Sonntag, dieses Jahr…………..“

Und irgendwann, regelmäßig Mitte Januar, setzt mir, vollkommen unausweichlich, so wie Windpocken auf Klassenfahrt oder Lippenbläschen vor dem ersten Date, ein strenger Geist eine Brille auf die Nase. Es folgt ein erschütternder Moment: „Wie sieht es hier überhaupt aus?!“

Ich wache nichtsahnend auf, reibe mir den Schlaf aus den Augen und seh nicht die Welt, aber doch mein Zuhause mit anderen Augen. Klar ist der ganze Weihnachtsglitzerkrempel – der vor 4 Wochen noch ein Weihnachtsglitzerzauber war, verstaut.

Aber da liegen noch zwei Adventssäckchen, dort ist eine honiggelbe Wachskerze der drohenden Dunkelhaft in einer Kiste entkommen und ganz tief unter der Wohnzimmercouch lugt ein Papierfitzel hervor, Geschenkpapier, ich könnte wetten. In der Küche muss ich dringend Platz schaffen, das ist doch alles viel zu eng für meine neu ergatterten Mixer und Rührer – und schon geht es los.
Ich verzettel mich. Kein Wort könnte treffender beschreiben, VerZETTELN.

Eigentlich will ich nur aufräumen. Aber wie soll ich denn etwas aufräumen, wenn ich dauernd über was stolper. Kein Kinderspielzeug mehr, viel, viel schlimmer. Erinnerungen. Was man nicht alles aufhebt.
Kinderkunstwerke, Kochrezepte, Kassenzettel.
Was man nicht alles sortieren müsste.
Fotos. Glückwunschkarten. Schubladen. Kinderkunstwerke, Kochrezepte, Kassenzettel.

Zack, der Tag ist gelaufen. Nach zähen Stunden sitz ich ausgehungert und fast verdurstet mit der denkbar schlechtesten Laune des zugegeben noch jungen Jahres verzweifelt zwischen ausgeleerten Schubladen, wackeligen Türmchen mit Fotos, Briefen, Stickern und noch mehr Fotos, einer riesigen Tonne mit Altpapier und einer gut gefüllten Kiste Müll.
Verflucht sei meine Sammellust, mein Unvermögen, Ordnung zu halten und meine furchtbar schlechte Eigenschaft, immer tausend Dinge tun zu wollen.

Mir fällt ein Hefter in die Hände „Sammler sind glückliche Menschen“ steht drauf, und „Goethe“. Na, in dessen Gesellschaft wähnt man sich ja nun schon gerne. Ich öffne den Ordner, mir fällt ein wirklich rührender Brief eines meiner Kinder in die Hände.
Ein Foto. Mein Ältester bei einer Kitaaufführung, die Kinder sind als, ich würde mal sagen, Kannibalen verkleidet, die Gesichter schwarz angemalt, sowas macht man heute nicht mehr. Auf einem anderen Fotos steht Lulu am Strand, splitterfasernackt, ungefähr dreijährig. Gibt es heute auch nicht mehr, nackt am Strand.

Ein kleiner Umschlag ist noch drin. Minklein, gelb, drinnen eine Karte. „Bleiben Sie gesund und halten Sie gut durch!“
Während Corona hatte diesen uns eine Familie in den Briefkasten gesteckt.

Der schwarz angemalte Jonas lässt mich nachdenken, ob es früher leichter war, mit Kindern zu arbeiten.
Die nackte Lulu versetzt mich in eine herrliche Zeit in Bali am Meer. Der Umschlag löst unmittelbar dieses „ach Corona“- Gefühl aus, diese Erinnerung an eine unerwartete Welle der Unterstützung für das Mutz, die sehr sehr berührend war.

Es gibt Menschen, die behaupten, jeder könne Ordnung halten. Ich nicht.
Ich kann es nicht. Man muss nicht alles können. Ich kann dafür Mohneis machen, das können Sie morgen leibhaftig selbst testen.

Ich kann auch der Anregung eines Gastes folgen, doch mal etwas vegetarisches im Newsletter anzukündigen. Es gibt diese Woche einen marinierten, karamellisierten Spitzkohl, mit den Gemüsen des Winters aus dem Ofen, dazu ein Püree vom Butternutkürbis und Meerrettichsoße. Damit starteten wir tatsächlich 2025 auch in das neue Jahr und es ist wirklich knackig und schmackig, herrlich.

Es gibt Spaghetti mit Garnelen und viel mehr, aber ich kann auch leidenschaftlich gut und gerne Kartenspielen, was ich jetzt unbedingt noch tun muss und so wird nix mehr geschrieben außer: bis bald!
die Sabine vom Mutz