Newsletter 21.01.2026

Ich liebe das Konzept „Familie“. Familie, so finde ich, ist ein Übungsplatz für Toleranz.
Hatte der charmante, lustige Onkel Werner einen schlimmen Buckel, lernte man intuitiv, dass Männer mit Buckeln charmant und lustig sein können.

Es hilft auch bei tiefsitzenden Vorurteilen.
Mein Vater, Jahrgang 32, war nicht zuletzt aus eigener, leidvoller Erfahrung ungemein tolerant.
Aber als Kind seiner Zeit auch ungemein homophob.
Am Straßenrand über ihren Rennbahnkumpel feixend, so erinnere ich mich an die Freunde meines Vaters in den frühen 70 iger Jahren.
Lästernd, verschmitzt, grinsend, „Der ist am 17.5 geboren“, ein „warmer Bruder“. „Der mag gerne Männer“, hat man mir erklärt, irgendwie anrüchig, geheimnisumwoben, zwielichtig.

Viele, viele Jahre später. Weihnachtsfest. Der erwachsene Sohn meiner Kusine kommt zur Feier. Diesmal nicht allein, Diesmal mit einem Mann an seiner Hand.

Mein Vater sitzt neben mir. „Oh“, sagt er, „ich habe das nicht gelernt, das zu ertragen. Es ist mir so unangenehm.“ Aber- und ich weiß, alles was vor einem „aber“ kommt, darf man getrost vergessen, „ist halt der Michi“.
„Der Michi“.

Ein Junge, den er von klein auf kannte. Der Enkel seines Bruders. Seine Familie. Also „normal“. Ein normaler Junge, schwul. Am Ende waren vielleicht alle schwulen Jungen ganz normal.
Wir lernen. In Familie, im Alltag. Wir lernen das noch. Alle.
Was wichtig ist und was nicht.

Das man andere Meinungen und andere Lebenshaltungen tolerieren kann.
Bei meinen Kindern gibt es Intoleranz und Zoff über die Esserei. Der eine mag die österreichischen Krautfleckerln vegan, mit samtig geschmelzten Zwiebeln, Kraut, Kümmel und gebratenem Tofu. Der andere braucht ein ordentliches Stück Fleisch dazu. Das schöne ist: Sie schmecken oberlecker und so richtig nach Schnee und Skihüttenromatik, ob mit oder ohne Fleisch. Beides köstlich, und Sie dürfen auswählen, wir bieten diese Woche beides an und sind da ganz tolerant.

Auch den Spitzkohl gibt es weiter (mit und ohne Medaillons vom Roastbeef) und, wenn wir denn schon mal wieder ins ehemalige Großreich schielen, dann machen wir halt auch Schnitzel, irgendwie muss ich Sie ja vor die Türe locken. Ein saftiges Schnitzel mit knusprig goldgelber Panade und genauso knusprigen Bratkartoffeln dazu. Und weil ich sie liebe und glaube, dass es eine unterschätzte Köstlichkeit ist, mache ich auch Sacher – natürlich mit Marillenmarmelade unter der Schokolade. Diese aber erst ab Freitag, denn die Sacher habe ich mir gerade erst überlegt und die muss erstmal einen Tag ruhen…zum Ruhen habe ich keine Muße, Freitag, Samstag, Sonntag mache ich auch Buchteln.

Donnerstag diese Woche gibt es Blues, Donnerstag nächste Woche liest Jan Costin Wagner aus seinem neuen Roman „Eden“ und Donnerstag, 5.2. spielt das wunderbare Duo Axel Freudenberger und Christian Müntz, sowas wie ein Heimspiel würde ich sagen. Erfolgreicher als der Verein ohne Trainer, was leider nicht so schwer ist zurzeit.

Ich freu mich auf Krautfleckerln, Sacher, Buchteln, und auf Sie,
bis denne, die Sabine vom Mutz