6. Oktober 26. Wer kann, chillt draußen im Garten. Froh, wenn mal eine Wolke vor die Sonne zieht. Morgens schon hat man die 50 iger Sonnenmilch aus dem Regal gezerrt. Kommt die endlich auch mal zum Zug. Im Sommer hat man ja keine Creme nutzen müssen. Da hat man es ja nur in Kellerräumen aushalten können, und auch die nur hermetisch abgeriegelt, bloß keinen Lichtstrahl eindringen lassen, Erhitzungsgefahr. „Für die Jahreszeit zu heiß“ ist mittlerweile eigentlich der Standardsatz der Wetterpropheten. Eigentlich schade, dass den Weltuntergangspropheten der 80 iger nie einer geglaubt hat. Die Welt ist so verrückt. Die früher rege benutzte Sonnencreme stand bei meinen Eltern in nem Alibert, kennen Sie den noch? Dreigeteilter Spiegel- Badezimmerschrank mit Vergrößerungsglas und abschließbarem Fach, sprich mit allem, was man braucht- oder auch nicht.Neulich logierte ich mit der Familie in einer Ferienwohnung. Im Badezimmer einen Smartspiegel. Sag ich: „Kind, was kann das Zeug?“ Antwortet das Kind allen Ernstes: „Ich glaube, das kann man mit seinem Smartphone verbinden und dann zeigt er Dir, wie das Wetter ist!“ Vielleicht sind Sie schon so angekommen in der digitalen Welt, dass es Ihnen nicht mehr auffällt, aber ich frage mich, warum zur Hölle schaut man nicht aus dem Fenster, wenn man wissen will, wie das Wetter ist?Aber es stimmt eh nicht. Ich habe es recherchiert. Man kann mit so einem Spieglein an der Wand im Bad seine 713. NetflixSerienfolge anschauen. Und beschlagen tut der Spiegel auch nicht. Na dann! Ich für meinen Teil wünsche mir smartfreie Tage. Aufstehen, aus dem Fenster schauen. Heidewitzka scheint da draussen krass die Sonne! Ob wir mit weniger smarten Spiegeln, Phones und Chips die Welt noch retten können? Keine Ahnung. Aber ich mag sie sehr, die analoge Welt. Wo man seinem Gegenüber in die Augen sieht statt auf eine verspiegelte Fläche zu starren. Mag ich. Ich mag es auch, dass wir richtig kochen. Denn richtig gekocht ist eigentlich alles wunderbar. Da hat der Schweinekrustenbraten eine Kruste, die ihren Namen verdient, saftiges Fleisch mit einer deckenden Schicht, die knusprig aufplustert, mit goldgelb glänzenden kleine Kratern, das schaut so lecker aus, das man fast auf die Semmelknödel verzichten könnte- wenn da nicht diese Biersoße wäre. Passt ja auch ein bisschen zum diesjährigem Buchmessengastland Tschechien. Als ich das Metropol noch hatte, liebte ich die Buchmesse so sehr, nicht nur der Bücher wegen, sondern dem Flair geschuldet, dem sie der Stadt verlieh. In dieser Oktoberwoche schien auch Frankfurt eine Stadt zu sein, die niemals schläft. Eine Großstadt, voll mit den Stars der Literatur, mit Verlagen und Verlegern, eine Stadt, weltoffen, selbstbewusst und gar nicht verlegen – mit herrlich buntem Stadtbild.Gerade kriselt alles, die Buchbranche wie die ganze Welt . Hmmh. Kommen Sie ins Mutz, gerade auch zur Messe. Mit Menschen, die Büchern lieben. Mit Menschen, die Essen lieben. Mit der Schnittmenge. Egal mit wem. Wir haben ein köstliches Boeuf Bourgignon gekocht, dazu machen wir Kartoffelpüree und weil das Wetter unverändert sommerlich bleibt, servieren wir noch immer Grübe Soße, wobei mein persönlicher Favorit diese Woche Hühnerfrikassée mit Polenta ist. Am Wochenende werde ich mich endlich endlich über die Quitten hermachen, freuen Sie sich auf Quitten Baiser Kuchen. Als Literatur- Hot- Spot Café Mutz haben wir am 14.10. 26 wieder „Text und Tenor “ bei uns zu Gast. “ Text und Tenor“ ist ein Proberaum für neue Literatur, noch nicht ganz bekannte Autoren lesen vor Ihnen als Publikum einen bisher unveröffentlichten Text. Die Veranstaltung wird sehr schön moderiert von Anne Michaelis , Laura Kind und Florian Kind. Wir freuen uns auf Ihre Reservierungen.Am 22.10 spielt im Mutz „Reverend Schulzz“. Der “ Reverend“ war über lange, schöne Jahre hinweg Barkeeper im Metropol und ist ein ganz wunderbarer Musiker, der mit Gitarre und Mundharmonika zaubern kann, Kommen Sie unbedingt und lauschen Sie seinem besonderen Folk. Statt Folge 714 im Zauberspiegel anzuschauen. Wobei ich Märchen ja echt mag. Heute back ich, morgen brau ich und übermorgen freu ich mich auf Ihren Besuch. Ach wie gut das jeder weiß, wie das Cafe in Niederursel heißt 😉
Bis die Tage
die Sabine vom Mutz
