Haben Sie zufällig heute morgen in den Himmel gesehen?
Niederursel 7:40 Uhr, ich habe die Uhrzeit kontrolliert, für das Zeugnis im neusten Testament.
So ein Himmel, fünferlei weiß-rosa-lila-türkis Schattierungen. Ein strahlend orange scheinendes Licht flutete mein Zimmer. Das war eine Kurznachricht. Direkt von ganz oben.
„Sieh!“, „sieh all die Schönheit, sieh, der Tag bricht an und sieh, es wird ein Guter werden!“
Ich mag ja sonst keine SMS empfangen, aber für so nen direkten Draht nach oben bin ich echt dankbar. Um 7:43 Uhr war alles vorbei. Das Versprechen auf den Hammertag hat sich leider eher als ein Schlag auf den Kopf erwiesen, aber der Start war mega. Ich bin hochmotiviert in die Küche gejumpt, Dessert machen. Espresso Parfait. Krönung der Zuckerbäckerei. So gerne wäre ich eine K und K Zuckerbäckerin gewesen, kaum etwas lieb ich so wie die Arbeit mit dem leider so verteufelten Zeug.
Mache ich es vorsichtig in der Pfanne heiß, mit ein paar Tropfen Wasser, bräunt es langsam von weiß zu gelb zu goldbraunem Karamell, von fest zu flüssig und dann wieder fest. Ich schaue zum tausendsten Mal total fasziniert in die Pfanne, wie er anfängt zu krümeln, der Zucker, dann Kügelchen bildet und plötzlich zu fließen beginnt, wirklich, wie das aussieht, wie das duftet, wie klar nach und nach die Farbe wird. Dann schnell, bevor er hart wird, frisch gemahlener Kaffee darauf, erster Step erledigt, ein Kaffeekaramell ist gemacht. Das hacke ich und erhalte kleine bezaubernde Stückchen, die golden glitzern, es scheint, als hätte ich in meiner Küche eine Goldader aufgebrochen. Später werden diese Stücke auf die zartbittere Schokolade gestreut die den Haselnussbaiser bedeckt. Baiser ist ein weiteres Zuckerfaszinosum, da schlägt man das Eiklar, gibt vorsichtig in dünnem Strahl den Zucker hinein und erhält diesen dichten schneeweißen Schaum, mit dem sich so viel so leckere Dinge m(n)a(s)chen lassen, außer dem Espressoparfait zum Beispiel Quittenbaiserkuchen.
Für Kaiserin Sissis Hofbäckerei bin ich ein paar Tage zu spät geboren, also kümmer ich mich halt auch um‘s Deftige. Wir machen endlich wieder Kohlrouladen, für mich eines der köstlichsten Fleischgerichte überhaupt. Das Fleisch drehen wir selbst durch den Wolf, dann wird‘s in die gedämpften Urkohlblätter gewickelt, angebraten und im Sud mit Möhren, Lauch, Sellerie, Zwiebeln durchgegart.
Ganz in den K und K Modus passt auch der Erdäpfelgulasch. Rein österreichisch und rein vegetarisch, dazu ein vegetarisches „Weißkohlpäckchen“ nach Ottolenghi, das war‘s dann mit rein österreichisch, aber “ unrein“ ist selten verkehrt. Nur zum rechten Verständnis, es gibt Beides, vegetarische und unvegetarische :-).
Ob egal was jedoch den Arroz con mariscos ausstechen kann, wage ich zu bezweifeln, man wird sehen.
Man wird nicht nur sehen, auch lesen und hören, morgen im Mutz, bei Text und Tenor.
Ich habe auch gelesen, lange, zum Glück war mein Buch gerade fertig, als die göttliche Aufforderung zum Carpe Diem kam. Passend wäre ja nun ein kleines Brevier über Zucker gewesen, so wie es dieses wunderbare Gelato Buch von Peter Peter gibt, herrlich leichte Kost, ein perfektes Geschenk für Eisliebhaber. Ich hatte aber eher schwere Kost.
„Nordstadt“ ist ein heftiger Roman.
Die junge Bademeisterin des städtischen Hallenbads, Nene, verliebt sich in Boris, ein Junge, der aufgrund seiner Polio-Erkrankung humpelt. Nene hatte eine schreckliche Kindheit, der trinkende Vater hat sie brutal geschlagen, eingesperrt, Posttraumata sind entstanden.
Wie nah uns die Autorin ihre Protagonisten bringt, wie viel Verstehen in ihrem Schreiben für deren Schicksal liegt und wie viel Erschütterung sie bei mir Ahnungsloser auslöst, ist schlichtweg großartig. Was für ein tolles Buch!
Zurück zum Beginn: Mit „Reverend Schulzz“ schließt sich der Kreis zum frömmelndem Start.
Am 22.10 singt der „Reverend“ im Mutz, kommen Sie gerne vorbei, it‘s magic. Hallelujah die Sabine vom Mut
