Newsletter 16.09.2026 – mal Mutz, mal München

Ich sitz bei meinen Enkeltöchtern in der Küche auf der grünen Couch. Der bayrische Schulbeginn wurde von strahlendem Spätsommersonnenschein begleitet, mein Enkelkind hat heute seinen neunten Geburtstag gefeiert. Neun. Ich fahr noch neunmal nach München, dann ist sie 18. Erwachsen. 

Mysterium Zeit. 

Nicht das einzige Mysterium hier. Die Balkontür steht offen und ich bin total irritiert. Was sind das für Geräusche? Klingt wie ein Aufmarsch. München 1923, Putsch im Bürgerbräukeller. Da kann ich warnen. Hitler hat schon 1923 aktiv die Republik stürzen wollen und keiner hat realisiert, wie gefährlich der Typ ist. PRÜF AfD Verbot!!!

Aber die Geräusche heute kommen, so klärt mich die älteste der Enkeldamen auf, aus dem Grünwalder Stadion. Ein Fußballstadion mitten in der Stadt. Wie schön das ist. Stimmung am Auer Mühlbach, ganz ohne Demo, vielleicht nicht ganz ohne Krawall. Ich mag es trotzdem. Irgendwann bald wird Bayern München II gegen 1860 spielen, eine ganze Stadt im Fußballfieber. Regionalliga.

Man kann hinlaufen ins Stadion, ab nach Giesing, man hört draußen, was die manuelle Anzeigetafel drinnen markiert. Ich mag das gerne.

Leben in der Bude. Hoffnungslos nostalgisch bin ich. Mir fehlt die Niederräder Pferderennbahn (ja, die Pferderennbahn), die Großmarkthalle im Ostend, das Rundschau-Haus am Eschenheimer Tor, das Volksbildungsheim/ TAT und wahrscheinlich irgendwie sogar der städtische Schlachthof. Klar ist das schön, dass man am Main wohnen kann. Aber es muss auch nicht alles weichgespült sein, alles aseptisch und proper, auch Friedhöfe gehören in die Stadt, Geburt, Leben, Sterben. In der Stadt. Mittendrin.  

Find ich gut. Lebendig.

Wenn bei der Eintracht, nicht nur räumlich, sondern auch sonst so,  alles weiter Richtung Deutsche Bank, weg vom Waldstadion geht, werd ich vielleicht 1860 Fan. Das gibt zwar Ärger mit der Familie, aber vielleicht sind meine Jungs versöhnlich. Bestechlich. Immerhin bieten wir ein wunderbares, goldgelb glänzendes Frankfurter Schnitzel an, mit herrlich fluffiger Panade, kleine Bläschen auf der Kruste, zum reinbeißen, dazu kritzegrüne Soße, noch bin ich ja loyal. Achtung, Achtung, grüne Soße machen wir nur noch bis Anfang Oktober, nicht des fehlendes Lokalpatriotismus wegen, sondern weil sich die Kräuterzeit dem Ende zuneigt, geht jetzt eher in die Pilzsaison.

Deshalb kann man ein Züricher Geschnetzeltes essen, mit Kalb, Pilzen und Rahm, passt perfekt, dazu machen wir Kartoffelplätzchen, lecker!

Vegetarisch gibt es gebackenen Spitzkohl, im Ofen mit Chilibutter karamellisiert, viel Gemüse und Senfsoße dazu. Der Fisch wird diese Woche gedämpft, eine gedämpfte Dorade hat ein ganz intensives, eigenes Aroma, auch sehr lecker. So verrückt wie ich bin, wäre mir ja am Liebsten, der Fisch käm aus dem Urselbach. Wie weit ich mit meiner Nostalgie zurück will, weiß ich auch nicht so genau. Nächste Woche am Donnerstag, den 24.9. 19:00 Uhr gibt es ein tolles Konzert mit Klezmermusik, noch so was aus einer vergangenen Welt, falls Sie auch einen Hang zum Nostalgischen haben – es wird wunderschön. Muzika Goia waren schonmal im Mutz, es war toll. Reservieren Sie gerne per Mail oder Telefon, aber bitte erst morgen ab 15:00 Uhr, ich muss ja noch von München zurück in meine wunderbare, aseptische, geliebte Heimatstadt reisen…gute Nacht die Sabine vom Mutz