In Frankreich demonstrierten Schüler gegen ihre schlechten Bedingungen an den Schulen. 40 Schüler auf einen Lehrer. Die Ordnungsmacht demonstriert auch. Stärke. 5 Polizisten, so sagte heute eine kritische Stimme, auf einen Schüler. Ich mag keine brennenden Rathäuser, aber ich verstehe die Ohnmachtsgefühle der jungen Leute.
Gehen sie den parlamentarischen Weg, verliert das Establishment ja auch völlig die Nerven. Ob Berlin nun wirklich fortan so viel schlechter regiert wird als die Jahre zuvor, wage ich zu bezweifeln und würde ich doch gerne mal erleben.
Ich fühl mich wie im Labyrinth. Ich find den Weg nicht. All die, die sich jetzt so über eine eventuelle Regierungsbildung in Berlin erregen, sind genauso empört und fassungslos wie ich, wenn ich den Höhenflug der AfD betrachte. Die Wahrnehmungen sind so schrecklich auseinanderlaufend.
Was ist richtig? Was ist falsch? Wo sollten die Prioritäten liegen?
Ich habe nichts gegen die Linke. Auf keinen Fall.
Aber mein Lieblingsrestaurant hat zugemacht. Das ist ungemein entmutigend.
Einfach die Reißleine gezogen. Viel zu viel Arbeit für viel zu wenig Geld. Rückzahlung Coronahilfe. Mindestlohn 2027 14,60. Zu wenig Mitarbeiter. Irre viel Arbeit. Der Laden immer voll, auf Monate ausgebucht und trotzdem am Ende des Monats bangen, ob man die Löhne zahlen kann.
Mein wunderbares Handwerk, die mich erfüllende Dienstleistung, die ich mit so viel Freude, Liebe und Leidenschaft ausübe, sind so vielen hirnrissigen Reglements unterworfen, dass es oft schwer ist, die Nerven zu behalten.
Mitarbeiter zu finden ist wie die bildlich so nett beschriebene Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Kann manchmal schon pieksen, wenn ein 16 jähriges Nädelchen vor einem steht und rausposaunt, dass es für 15.00 Euro keinesfalls gedenkt, auch nur aufzustehen. Geschweige denn zu arbeiten. Armes Ding. Was ihr verborgen bleibt:
Wie schön es ist, dem Kohl im gesalzenem Wasser zu zusehen, wie sich die Blätter lösen, dass es Spaß macht, drüber nachzudenken, ob ich die vegetarischen Krautwickel lieber mit Ricotta, Parmesan und Pinienkernen oder mit Sojahackfleisch fülle, dass es herrlich ist, die fertigen Kohlrouladen, die mit dem Fleisch, mit dieser samtigen Soße zu servieren, weil es für die Gäste „futtern wie bei Muttern“ ist oder wie, „…damals, immer Sonntags, wenn wir rausgefahren sind zur Oma…“
Das sind, glaube ich, die Mutzteam-Treiber. Die Liebe zu unserer Arbeit und die Anerkennung der Gäste. Es zerrt manchmal vorne und es zurrt manchmal hinten, aber wir wickeln so gerne. Das macht es leicht.
Sie merken, wir bleiben noch eine Woche bei köstlichen Krautwickeln ( k u k 😉 mit und ohne Fleisch und wickeln noch eins obendrauf, es gibt Involtini. Wir rollen Hähnchen und Parmaschinken und Salbei und setzen damit einen herbstlichen Quinoa mit viel Gemüse die Krone auf, es bleibt königlich. Ich mach Mutz au Chocolat, weil mir der Name gefällt.
Warum Revverend Schulzz sich so nennt, weiß ich nicht, kann ich ihn übermorgen ja mal fragen. Oder Sie kommen und fragen ihn selbst, er tritt am Donnerstag um 19:00 Uhr auf. Eigentlich ist es eh nicht wichtig, Namen sind Schall und Rauch, seine Songs sind schön. Seine Stimme melodisch, ruhig und harmonisch, etwas, was man gut brauchen kann in so einer verwickelten Zeit. Ein Ariadne-Faden. Was auch hilft, ist ein gutes Buch. Ich kann ihnen welche bestellen, empfehlen, mitgeben… bis bald
die Sabine vom Mutz
die kommendem Veranstaltungen:
- 22.10 Konzert, Urban Folk mit Revverend Schulzz, 19:00 Uhr
- 28.10 Kino, 19:30 “ Rose“4.11
- 29.10 , 19:30 Veranstaltung der Stiftung Ost West Passagen, harmonisches Leben zwischen Juden und islamischen Arabern in Marokko
- 4.11. Konzert, 19:00 Reinhard Mey Lieder by Anna Liebst- voll-
- 5.11. Konzert 19: 00 Reinhard Mey Lieder by Anna Liebst
- 15.11 Konzert, KlezmermusiK mit SCHMACKES
- 18.11 Konzert mit Jutta Loskil
