Heute habe ich meinen Newsletter in der Ubahn geschrieben. Nicht, wie Sie jetzt denken, hilflos auf irgendeinem mobilen Endgerät herumtippend, mich dabei freuend, dass dieses mir rot anstreicht, was mir stilistisch gefällt. Nein, das einzig rote war mein Kugelschreiber. Lieber noch schreibe ich mit Füller, ich mag es so sehr, wenn die schwarze Tinte auf weißes Papier fließt. Irgendwann verschicke ich mal einen handgeschriebenen Newsletter, irgendjemand Schlaues kann den ja für mich einscannen 😉 Ich bin schon gerne analog.
Machen Sie doch mal ne analoge Woche. Legen Sie ihr Smartphone zu Harry Potter unter die Treppe, reaktivieren Sie Ihr Festnetztelefon – Sie können Ihre Freunde ja vorher benachrichtigen, kleine Whatsapp-Apps, SMS, Email in die Gruppe: abgemeldet! Natürlich kommen auch die smarten Geräte weg, die, die für Sie das Licht an oder aus machen, die, die Ihnen wohlmeinend vorschlagen, was Sie gerne hören oder sehen sollen und der Thermomix kommt ganz in den Keller. Wobei ich meinen Hefeteig auch gerne von der Rührmaschine schlagen lasse, nur rühren, mehr auf keinen Fall. Den Rhabarber hab ich schon geschält, das ist aber auch ein Fest mit dem Zeug, ich bleib dran. Rhabarber Streusel, Rhabarberkompott, am Wochenende Rhabarber Baiser. Wir sind, passend zum Digitalfasten, oder auch zum Zeitgeist, diese Woche recht traditionell unterwegs: Schnitzel, Grüne Soße, Matjes und endlich mal ein richtiges Stück Fleisch, Eddy brät Ihnen ein Rumpsteak mit herrlicher Kräuterbutter. Schelte rieselte auf mich herab, weil ich immer so vom Fleisch schwärme, so bin ich halt, ich freu mich über indisches Chana Daal und mampfe jeden Tag ne köstliche vegetarische Quiche (immer nur tagsüber!), aber schwärmen tu ich vom Teriyaki Hähnchen. Gerade fällt mein Blick auf das Gebimmel über mir, der RMV wirbt für die Nacht der Museen. Im Mutz klingt die Kultur direkt vor der Haustür, heute „Pia and the Ambassadors“, eine Band in der Besetzung Gesang, E-Gitarre, Kontrabass, Schlagzeug und Bass-Flügelhorn bzw. Euphonium, sie spielen Stücke aus den Bereichen Jazz, Swing, Bossa, Soul und Pop. Kommen Sie gerne, wir haben noch Platz. Dann einen schönen Espresso Martini dazu und man fühlt sich wie im Berlin der wilden zwanziger Jahren. In Niederursel!
Zu den Zwanzigern: Am 20.5 kommt Nicole Henneberg ins Mutz. Es wird eine Lesung zu Gabriele Tergit, der Autorin der „Effingers“ geben. Gabriele Tergit, Jahrgang 1894, war eine renommierte Gerichtsreporterin während der Weimarer Republik. Schon früh war sie in den Fokus der Nationalsozialisten geraten, nach der Machtergreifung musste sie ins tschechische Exil fliehen. Ihr 1938 begonnenes und erst in den 50er-Jahren fertiggestelltes Gesellschaftsepos „Effingers“ fand nur schwer einen Verleger. Wir freuen uns sehr, dass Nicole Henneberg, die sich um die Wiederentdeckung des literarischen Werkes Gabriele Tergits verdient gemacht hat, uns durch den Abend führt. Sie stellt uns die mutige, kluge Gabriele Tergit vor, liest ein bisschen aus den Effingers und auch aus einer Kulturgeschichte der Blumen von Gabriele Tergit, die unlängst von ihr im Schöffling Verlag veröffentlicht wurde. Für mich eine Hommage an eine zu Lebzeiten zu wenig wertgeschätzte Künstlerin, ich freue mich, wenn Sie mitehren.
Einen geschriebenen Text abtippen ist gar nicht meins, ich bin gestern echt dabei einschlafen, deshalb jetzt raus damit. Ich mach mich mal an meinen Hefeteig, ich bin zum Glück wieder live dabei 🙂
Bis dann die Sabine vom Mutz
